Berlin hat kein Wohnungsproblem. Berlin hat ein Stadtentwicklungsproblem.

Die Berliner Wohnungskrise ist längst mehr als eine Frage fehlender Quadratmeter. Sie offenbart das Scheitern einer Stadtentwicklung, die Wohnen zunehmend als Ware behandelt und Architektur auf die Produktion vermarktbarer Flächen reduziert.

Doch mehr Wohnungsbau allein schafft noch keine bessere Stadt. Entscheidend ist, was, wo, für wen und mit welcher langfristigen Qualität gebaut wird. Eine Stadt, die ihre soziale Mischung verliert, verliert auch ihre urbane Substanz.

Berlin braucht deshalb weniger kurzfristige Investorenlogik und mehr vorausschauende Stadtpolitik: eine aktive Bodenpolitik, gemeinwohlorientierten Wohnungsbau, intelligente Nachverdichtung und die konsequente Weiterentwicklung des Bestands. Nicht maximale Ausnutzung, sondern dauerhafte Gebrauchstauglichkeit, Anpassungsfähigkeit und räumliche Qualität müssen den Maßstab bilden.

Die eigentliche Herausforderung besteht nicht darin, möglichst viele Wohnungen zu bauen, sondern eine Stadt zu entwickeln, in der sich auch künftig möglichst viele Menschen das Wohnen leisten können.

Architektur kann die Wohnungskrise nicht allein lösen. Aber sie muss sich daran messen lassen, welchen Beitrag sie zu ihrer Überwindung leistet.