Croci e Fasci (2021)

Croci e fasci
Der italienische Kirchenbau in der Zeit des Faschismus

Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2021, dt., 784 Seiten, 330 Schwarzweißabbildungen, 10 Farbabbildungen, ISBN: 9783422980501.

Gefördert vom Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst e. V. München.

Brief presentation in English.

Scheda riassuntiva in lingua italiana.

Dieses Buch ist die auf den Kirchenbau der Zwischenkriegszeit bezogene Essenz einer langjährigen Forschungsarbeit zur italienischen Architektur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es gründet auf der 2017 am Karlsruher Institut für Technologie vorgelegten und im selben Jahr digital veröffentlichten Dissertation des Verfassers.

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Die Zeit von 1919 bis 1945 ist in Italien geprägt vom politischen und gesellschaftlichen Ringen um eine neue Ordnung. Dabei erweist sich die Herrschaftspraxis des von Mussolini 1922 installierten faschistischen Regimes als Metrum der Entwicklungen. Trotz seiner heterogenen Ideologie gelingt dem mussolinischen Faschismus die Etablierung und Konsolidierung einer neuen Wirklichkeit, zu der auch die Verständigung mit der katholischen Kirche gehört. Diese Verständigung schafft wiederum die Voraussetzungen für eine im italienischen Einheitsstaat bislang beispiellose kirchenbauliche Expansion. Zugleich bestimmt die Auseinandersetzung mit den Fragen einer zeitgemäßen repräsentativen Architektur sowohl die Baupolitik des Regimes als auch die der Kirche. Im Spannungsfeld erhitzter Debatten, progressiver und traditionsverbundener Denkweisen, entfaltet sich schließlich die wechselvolle Geschichte der Suche nach einem neuen Kirchenbau, der die typische Verlustempfindlichkeit der Kirche überwindet und heute als Mittler zwischen der Kontinuität jahrhundertealter Traditionen und dem liturgisch motivierten Aufbruch der 1950er und 1960er Jahre gelesen werden kann.

Das Buch stützt sich auf eine sowohl architekturgeschichtlich analysierende als auch architekturkritisch abwägende Vorgehensweise unter Berücksichtigung gesellschaftspolitischer und organisatorischer Voraussetzungen und Einflussgrößen. Durch die Einbeziehung eines großen zeitlichen und räumlichen Betrachtungsrahmens wird mittels Synthese und Interpretation die große Menge der kirchenbaulichen Ereignisse der Zwischenkriegszeit greifbar und in einen nachvollziehbaren, bewertbaren Zusammenhang gestellt.

This book is the essence of many years of research on Italian architecture of the first half of the 20th century, related to church architecture of the interwar period. It is based on the author’s dissertation presented at the Karlsruhe Institute of Technology in 2017 and published digitally in the same year.

The period from 1919 to 1945 in Italy was characterized by the political and social struggle for a new order. In the process, the ruling practice of the fascist regime installed by Mussolini in 1922 proved to be the metric of developments. Despite its heterogeneous ideology, Mussolini’s fascism succeeded in establishing and consolidating a new reality that included an mutual understanding with the Catholic Church. This understanding, in turn, created the conditions for an ecclesiastical expansion unprecedented in the Italian unitary state. At the same time, the debate about contemporary representative architecture determined both the building policy of the regime and that of the church. In the field of tension between heated debates, progressive and tradition-bound ways of thinking, the eventful history of the search for a new church building architecture finally unfolds as a process of search that would be able to overcome the church’s typical sensitivity to tradition and which could be read today as a mediator between the continuity of centuries-old traditions and the liturgically motivated awakening of the 1950s and 1960s.

Based on an approach that analyzes the history of architecture as well as weighing it critically, taking into account socio-political and organizational conditions, this book makes the great mass of church-building phenomena of the interwar period tangible and places them in a comprehensible, assessable context.

INHALT / CONTENTS

| VORWORT von Klaus Tragbar

| EINFÜHRUNG

Einleitung

Stand der Forschung

Dank

Editorische Notiz

| PANORAMA

Entwicklungslinien des italienischen Kirchenbaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts

  • Versuche einer liturgischen Erneuerung
  • Annäherung von Kunst und Liturgie
  • Das Loblied Gottes singen
  • Gegen Inkompetenz, Gleichgültigkeit und ästhetische Anarchie

| THEMEN I – Kirchenbau im Wirkungskreis von regionaler Kultur und Programmatik

Erste Versuche einer architektonischen Erneuerung im italienischen Kirchenbau

  • Der Wiederaufbau der Kirchen im Triveneto
  • Die Kirche San Tommaso di Canterbury in Ponte di Piave als Fallbeispiel
  • Un caso travagliato: Der Tempio Votivo am Lido di Venezia

›Liturgische Architektur‹: Der Kirchenbau Giuseppe Polvaras

  • Rückbesinnung
  • Eine Kunst, die von Gott kommt: Kerngedanken einer Kirchenbautheorie
  • Versuch einer Orientierung: ›Domus Dei‹
  • Annäherungen und Wege zur ›Domus Dei‹ in der Praxis
  • Redimensionierung des Überlieferten: Giuseppe Polvaras Architekturverständnis im Kontext der Zeit

| THEMEN II – Kirchenbau in Mailand und Rom

Sakralarchitektur zwischen Tradition und Moderne I: Kirchenbau in Mailand

  • Ausgangspunkte für Bedarf und Planung
  • Novecento Milanese: Genese eines Stils und kirchenbauliche Expansion
  • Kirchenbau des Novecento Milanese
  • Überblick der Bau- und Planungsaktivität und Einfluss des Novecento Milanese

Sakralarchitektur zwischen Tradition und Moderne II: Kirchenbau in Rom

  • Ausgangspunkte für Bedarf und Planung
  • Konfrontation der Tendenzen: Persistenz der Tradition
  • Aufbruch in eine andere Moderne: Piacentinis Kirche Cristo Re
  • Vorstoß der Jungen: San Felice da Cantalice
  • Ricordo dell’antico: Die Kirchen Clemente Busiri Vicis
  • Tullio Rossi und der Versuch einer ›Volkskirche‹

| THEMEN III – Kirchenbauliche Kristallisationspunkte

La ricerca dello stile I: Der Wettbewerb für die Kathedrale von La Spezia

  • Rahmenbedingungen
  • Der Wettbewerb
  • Die Entscheidung
  • Nach dem Wettbewerb

La ricerca dello stile II: Die Wettbewerbe für neue Kirchen in der Diözese Messina

  • Rahmenbedingungen
  • Erneut ein sichtbares Zeichen
  • Neues für eine alte Aufgabe
  • Einordnung

| THEMEN IV – Kirchenbau im Wirkungskreis von Avantgarde der Politik

Moderno e italiano I: Kirchenbau im Umfeld des Razionalismo, Studien und Projekte

  • Fortführung und Veränderung
  • Ausgangspunkte für eine neue Architektur in Italien: cubismo, futurismo, razionalismo
  • Razionalismo und Kirchenbau
  • Betonkirchen
  • Schöpfer eines neuen Erbes: Giuseppe Terragni
  • Zwischen Futurismus und Rationalismus: Alberto Sartoris

Moderno e italiano I: Kirchenbau im Umfeld des Razionalismo, Baubeispiele

  • Eine neue Plastizität
  • Ein Prototyp in der Provinz: Ignazio Gardellas Sanatoriumskapelle in Alessandria
  • Kirchenbau am Scheideweg: Luigi Carlo Daneris Kirche San Marcellino in Genua
  • Regionalismus und Modernität: Concezio Petruccis Opera San Michele in Foggia

Faschistischer Kirchenbau?

  • Architekturpolitik und Kirchenbau
  • Kirchenbau in den neuen Städten des Duce und in den Kolonien
  • Bahnhofskirche Termini
  • Eine Kirche für den Faschismus: Die Kirche Santi Pietro e Paolo für die E42

| SCHLUSSBETRACHTUNG

La forza del contesto – Der italienische Kirchenbau in der Zeit des Faschismus zwischen Antagonismus und Integration

| FARBTAFELN

| ANHANG

Abkürzungen

Anmerkungen

Kurzbiografien

Angeführte Kirchenbauten

Archivalische Quellen

Verwendete und weiterführende Literatur

Abbildungsnachweise

Register