Croci e Fasci

Croci e Fasci
Der italienische Kirchenbau in der Zeit des Faschismus

DOI: 10.5445/IR/1000071873  | 2017-04-25, dt., 1.150 Seiten + 445 Bildseiten, 1.890 Abb.

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Die Zeit von 1919 bis 1945 ist in Italien geprägt vom politischen und gesellschaftlichen Ringen um eine neue Ordnung. Dabei erweist sich die Herrschaftspraxis des von Mussolini 1922 installierten faschistischen Regimes als Metrum der Entwicklungen. Trotz seiner heterogenen Ideologie gelingt dem mussolinischen Faschismus die Etablierung und Konsolidierung einer neuen Wirklichkeit, zu der auch die Verständigung mit der katholischen Kirche gehört. Diese Verständigung schafft wiederum die Voraussetzungen für eine im italienischen Einheitsstaat bislang beispiellose kirchenbauliche Expansion. Zugleich ist die Auseinandersetzung mit den Fragen einer zeitgemäßen repräsentativen Architektur sowohl dem Regime als auch der Kirche gemein.

Im Spannungsfeld erhitzter Debatten, progressiver und traditionsverbundener Denkweisen, entfaltet sich die wechselvolle Geschichte der Suche nach einem neuen, der Lebenswirklichkeit des 20. Jahrhunderts angemessenen katholischen Kirchenbau. Unter dem begünstigenden Eindruck der faschistischen Architekturpolitik profitiert die kirchenbauliche Entwicklung von der Neuausrichtung der architektonischen Gemengelage, so dass sich schließlich ein Kirchenbau verfestigt, der die typische Verlustempfindlichkeit der Kirche überwindet und heute als Mittler zwischen der Kontinuität jahrhundertealter Traditionen und dem liturgisch motivierten Aufbruch der 1950er und 1960er Jahre gelesen werden kann.

The fascist regime of Mussolini, which came into power in 1922, initiated an unmatched building production in Italy. In this context, and especially under the influence of Mussolini himself, an architectural policy came into being which increasingly tended to unify what had previously been pluralist stylistic tendencies; tendencies spanning the spectrum from traditionalism to radical modernism. At the same time, the reconciliation between the laical state and the catholic church, achieved by the regime in 1929, set the institutional basis for an expansion in church building as a response to the great deficit in pastoral care which had resulted from increased immigration and urbanization. Research in the diocesan archives and coeval periodicals shows that more than 1300 new parish churches were built in the fascist period. Difficult questions arise regarding the reciprocal effects between the conflicting demands for ecclesiastical reform and contemporary architectural tendencies; questions further complicated by the rapidly changing context of living conditions and technical modernization. Further questions concern the state´s influence on the funding and management of ecclesiastical building. The research project presented here attempts to show how these socio-cultural and politico-ideological factors became manifest in the building of churches. Specific events such as competitions, exhibits and bonification strategies have been analyzed for their effects. Finally, the question is raised, in what way the ideas leading to the liturgy reform of the Second Vatican Council´s revolutionized rules for church building may have be already latent in the transitory phase between the two world wars.

INHALT / CONTENTS

Einführung

| HINTERGRUND

Interpretation und Wirkung des Faschismus: Totalitarismus und politische Religion

Katholische Kirche und italienischer Staat

| PANORAMA

Architektur und Faschismus

Entwicklungslinien des italienischen Kirchenbaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts

| KIRCHENBAU IM WIRKUNGSKREIS VON REGIONALER KULTUR UND PROGRAMMATIK

Erste Versuche einer architektonischen Erneuerung im italienischen Kirchenbau

Liturgische Architektur: Der Kirchenbau Giuseppe Polvaras und der Scuola Beato Angelico

| KIRCHENBAU IN MAILAND UND ROM

Sakralarchitektur zwischen Tradition und Moderne I: Kirchenbau in Mailand

Sakralarchitektur zwischen Tradition und Moderne II: Kirchenbau in Rom

| KIRCHENBAULICHE KRISTALLISATIONSPUNKTE

La ricerca dello stile I: Der Wettbewerb für die Kathedrale von La Spezia (1929/31)

La ricerca dello stile II: Die Wettbewerbe für neue Kirchen in der Diözese Messina (1931-33)

| KIRCHENBAU IM WIRKUNGSKREIS VON AVANTGARDE UND POLITIK

Moderno e italiano I: Razionalismo und Kirchenbau, Studien und Projekte

Moderno e italiano II: Razionalismo und Kirchenbau, Baubeispiele

Faschistischer Kirchenbau?

| EXKURSE

Italienischer Kirchenbau nach dem Zweiten Weltkrieg

Kirchenbau im Dritten Reich am Beispiel der Kirche St. Canisius in Augsburg (1932-34)

| ZUSAMMENFASSUNG

La forza del contesto: Der italienische Kirchenbau in der Zeit des Faschismus zwischen Antagonismus und Integration

| BILDTEIL