Der Geist der Tradition – Giuseppe Terragnis entwerferisches Denken

Giuseppe Terragni (1904-43) zählt zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Seine Bauten, Entwürfe und vor allem auch seine Programmatik haben seine eigene Zeit und auf vielfältige Weise ganze Generationen nachfolgender italienischer und internationaler Architekten maßgeblich beeinflusst. Noch heute sind er und sein Werk ständiger Gegenstand der architekturgeschichtlichen Auseinandersetzung, wenngleich vornehmlich in Italien und auf seinen Beitrag zur Herausbildung und Weiterentwicklung der klassischen Moderne fokussiert. Das Forschungsprojekt sieht vor, anhand der Verknüpfung bislang nicht erschlossener oder kaum bekannter Architekturentwürfe mit bekannten Bauwerken den prozessualen Gesamtzusammenhang im Wirken Terragnis zu erforschen. Durch die Vernetzung des gesamten Schaffens des Comer Architekten mit einer durch Schlüsselentwürfen bestimmten Untersuchungsmatrix soll ein besseres Verständnis von Terragnis Architektur gewonnen werden. Durch die Untersuchung der bislang weitestgehend vernachlässigten, in seiner frühen Programmatik jedoch bereits angelegten Bezüge zu Themen der Tradition und Identitätsprägung wird das Werk Terragnis in eine geweitete Perspektive gerückt und im Kontext der Zwischenkriegszeit neu verortet. Zudem sollen durch die systematische und architekturkritische Analyse beispielhafter Entwurfsprozesse die Methoden und Ideen, die zu Terragnis gebauten Hauptwerken führten, tiefer ergründet werden. Es soll somit auch ein über das spezifische Werk Terragnis hinausweisender Beitrag zur grundlegenden Erforschung des Entwurfs und seiner Methodik als spezifisches Werkzeug des architektonischen Denkens geleistet werden.